Architektenvertrag - Auftrag oder Werkvertrag?

Ein Architektenvertrag umfasst Teilleistungen, die Projektierung, das Erstellen von Kostenvoranschlägen und Plänen, die Ausschreibung und Vergabe von Bauleistungen, die Bauleitung und die Durchführung der Garantiearbeiten. Nach der Bundesgerichtspraxis muss für jede dieser Teilleistungen geprüft werden, ob sie nach Auftragsrecht oder Werkvertragsrecht zu beurteilen sind. Je nach dem fährt dies zu grossen Unterschieden bei den Ansprüchen an die Gegenseite, wenn was schief geht.

Der Auftrag

Wer einen Auftrag übernimmt, verpflichtet sich, diesen mit der gehörigen Sorgfalt seines Berufsstandes auszuführen. Er ist der Partner und Vertrauter des Auftraggebers. Er schuldet ihm eine Beratung und Auftragserfüllung nach bestem professionellem Wissen und Gewissen, aber er schuldet ihm keinen Erfolg. Kein Arzt kann z.B. einen Heilungserfolg garantieren. Wegen des Vertrauensverhältnisses kann ein Auftrag jederzeit (ausgenommen zur Unzeit) ohne Schadenersatz aufgelöst werden. Die Haftung aus Auftrag verjährt im Architektenrecht nach 10 Jahren.

Der Werkvertrag

Demgegenüber verspricht der Unternehmer dem Besteller im Werkvertrag ein Ergebnis, das dem bestellten Werk entspricht. Weicht das Werk vom Vertrag ab, ist es mangelhaft und muss vom Unternehmer - unabhängig vom Verschulden - unentgeltlich in den vereinbarten Zustand gebracht werden. Haftungsansprüche für ein mangelhaftes Werk verjähren nach einem bzw. fünf Jahren, und ein Vertragsrücktritt ist im Normalfall nur unter Schadloshaltung möglich.

Umsetzung im Architektenvertrag

Die meisten Teile des Architektenvertrags unterstehen dem Auftragsrecht und auch z.B. die jederzeitige Auflösbarkeit des ganzen Vertrags.

Bei einzelnen Teilleistungen schuldet der Architekt wie z.B. beim Plansatz schuldet der Architekt nicht nur eine Beratung oder ein Tätigwerden, sondern ein konkretes Ergebnis, das auch mangelhaft sein kann. Auf diese Leistungen wird Werkvertragsrecht angewendet.